So funktioniert der Effizienzmarkt

Viele Schweizer Unternehmen haben mit dem Bund Zielvereinbarung zur Steigerung der Energieeffizienz abgeschlossen. Der Effizienzmarkt bietet diesen Unternehmen die Möglichkeit, die Energieeffizienzsteigerungen, die über dem vereinbarten Ziel liegen - sogenannte Übererfüllungen, zu handeln. Diese Übererfüllungen werden durch vom Bund anerkannte Monitorer bescheinigt und in ein Register der Zertifizierungsstelle (VUE) eingetragen. Interessierte Lieferanten (Energieversorgungsunternehmen) erhalten Zugang zu diesem Register, um die bescheinigten Übererfüllungen den Unternehmen abkaufen zu können und dadurch Effizienzzertifikate zu erstehen. Die Effizienzzertifikate verkaufen sie an Kunden weiter, die ihren Energieverbrauch neutralisieren möchten.

Rollen und Abläufe im Effizienzmarkt

 

Akteure im Effizienzmarkt

  • Unternehmen mit Zielvereinbarung sind Schweizer Firmen, die eine Zielvereinbarung in einem von der Zertifizierungsstelle anerkannten Modell abgeschlossen haben.
  • Lieferanten kaufen Übererfüllungen von Unternehmen mit Zielvereinbarung und generieren dadurch die Effizienzzertifikate. Diese können an Endkunden verkauft werden.
  • Monitorer sind Betreiber von Zielvereinbarungsmodellen, die jährliche Übererfüllungen von Erzeugern bescheinigen.
  • Käufer kaufen Effizienzzertifikate von den Lieferanten, um ihren Energieverbrauch vollständig oder teilweise zu neutralisieren.
  • Die Zertifizierungsstelle erstellt das Regelwerk für die Zertifizierung der Dienstleistungen der Monitorer und Lieferanten(Anforderungen, Abläufe).
  • Auditoren sind für die Auditierung der Zielvereinbarungsmodelle sowie der Angebote der Lieferanten zuständig,

Was sind Zielvereinbarungen?

Mit dem Instrument der Zielvereinbarung (ZV) wurde bereits ab 2001 ein freiwilliger Anreiz geschaffen, Energieeffizienz bei Unternehmen zu fördern (Strom und Wärme). Seit 2008 werden die ZV für die CO2-Abgabebefreiung eingesetzt, seit 2014 werden über ZV stromintensiven Unternehmen Netzzuschläge zurückerstattet. Die Gesamtenergieeffizienz wurde auf freiwilliger Ebene weitergeführt. Die Kompetenzen im Energiebereich - ausgenommen Regelungen im Rahmen der Stromversorgung - liegen zurzeit hauptsächlich bei den Kantonen. Ein zentrales Element der Energiedirektion der Kantone (EnDK) stellen die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn) dar. Mit diesen können grosse Energieverbraucher auf Basis der kantonalen Energiegesetze zur Steigerung der betrieblichen Energieeffizienz verpflichtet werden (Grossverbraucherartikel). Mit den Energiemanagement-Modellen der Energie-Agentur der Wirtschaft (EnAW) und der Cleantech Agentur Schweiz (act) sowie dem kantonalen Grossverbrauchermodell, werden heute verbindliche Energieeffizienzziele festgelegt. Auf Bundesebene wird das Instrument durch die freiwilligen Zielvereinbarungen ergänzt. Dieses bestehende Instrumentarium bildet die Grundlage und der Rahmen für die Einführung des Effizienzmarktes.

Erzeugung von Übererfüllungen

Im Effizienzmarkt können Unternehmen mit einer Zielvereinbarung ihre erzielten Einsparungen, welche über das vereinbarte Ziel realisiert wurden, als Übererfüllungen zertifizieren lassen. Für die Zielbestimmung wird das wirtschaftliche Massnahmenpotential bestimmt. Das vereinbarte Ziel wird durch die Kantone respektive das Bundesamt für Energie auditiert. Um allfällig unerwünschte Substitutionseffekte zwischen Energieträgern auszuschliessen, bezieht sich der Zielpfad auf den gewichteten Gesamtendenergieverbrauch des Unternehmens. Erzielte Übererfüllungen werden jährlich vom Monitorer bescheinigt.

Erzeugung von Effizienzzertifikaten

Die Monitorer tragen jährlich sämtliche Übererfüllungen ihrer am Effizienzmarkt teilnehmenden Unternehmen mit Zielvereinbarung im Register des Vereins für umweltgerechte Energie (VUE, Zertifizierungsstelle) ein und gewährleisten, dass die in den Zertifizierungsrichtlinien festgehaltenen Kriterien eingehalten sind. Anschliessend stehen den Lieferanten diese Übererfüllungen im Jahr ihrer Bescheinigung zum Kauf bereit. Erst durch den Kauf von Übererfüllungen durch Lieferanten werden diese zu Effizienzzertifikaten, welche zwei Jahre lang gültig sind und danach verfallen. Der Preis für die Übererfüllungen, bzw. die Erzeugung von Effizienzzertifikaten, ergibt sich durch das Angebot der Unternehmen und die Nachfrage der Lieferanten.

Angebote für Käufer

Lieferanten können erworbene Effizienzzertifikate können nutzen, um attraktive neue Produkte oder Dienstleistungen anzubieten. Dabei haben sie einen grossen Gestaltungsspielraum, als Rahmenbedingungen gelten die Vorgaben der Zertifizierungsrichtlinien. Wichtiger Bestandteil davon ist das Energieprotokoll, welches klare Spielregeln zur Verwendung von Effizienzzertifikaten gegenüber Kunden definiert und die korrekte Sprachregelung im Zusammenhang mit der Energieneutralität festlegt. Das Energieprotokoll ist in Anlehnung an das Greenhouse Gas Protocol beim CO2-Markt erarbeitet worden. Gelieferte Effizienzzertifikate werden schliesslich durch den VUE, resp. dessen Auditoren, gelöscht und somit aus dem Markt entfernt. Käufern ermöglicht dies, ihren Energieverbrauch auf glaubwürdige Art zu neutralisieren.

Marktpotenzial

Die Anzahl Unternehmen, die mit der EnAW eine Zielvereinbarung zur Steigerung der Energieeffizienz abgeschlossen haben, ist in den Jahren 2001 bis 2013 stetig gewachsen. Die Anzahl freiwillige Zielvereinbarungen ist zwischen 2009 und 2013 gar um über 360 Prozent angestiegen. Dieser Erfolg zeigt den Willen der Unternehmen, im Bereich Energieeffizienz Massnahmen zu ergreifen. Langfristig ergibt sich ein Effizienzpotenzial von rund 1 TWh pro Jahr.

Koordinationsgruppe Effizienzmarkt

Die Koordinationsgruppe Effizienzmarkt (KGE) ist ein breitabgestütztes und weitgehend autonomes Gremium innerhalb des VUE. Sie ist unter anderem für die Marktbearbeitung und die Weiterentwicklung des Effizienzmarktes zuständig. Interessierte Marktteilnehmer (insbesondere Lieferanten) sind herzlich eingeladen, in der KGE mitzuwirken und damit den Effizienzmarkt entscheidend mitzugestalten. Interessiert? Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

Derzeit setzt sich die KGE aus folgenden Partnern zusammen:

  • Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz, Lieferant)
  • Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ, Lieferant)
  • Energieagentur der Wirtschaft (EnAW, Monitorer)
  • EnergieSchweiz
  • soluziun
  • Verein für umweltgerechte Energie (VUE, Zertifizierungsstelle und Projektleitung)